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FRAKTALES UNTERNEHMEN

Durch die funktionale Auffassung und Arbeitsform in vielen Betrieben kann sich das in großem Maß vorhandene Potential zu selbstverantwortlichem Handeln nicht entfalten. Statt aus der Mitte des eigenen Ablaufs heraus zu denken, ist eine Einstellungsänderung anzustreben, die aus den Nahtstellen heraus zu anderen Prozessen hin denkt und handelt. Es geht also darum, die Übergabe- und Begegnungspunkte präzise miteinander zu vereinbaren und diese Vereinbarungen dann auch strikt einzuhalten.

Selbstverantwortliches Handeln

Entscheidend für eine Neuorientierung des Unternehmens sind fünf Prinzipien:

  1. Selbststeuerung
    Das Geschehen vor Ort steuern die Menschen am Ort selbst.
  2. Funktionsintegration
    Zusammengehörige Vorgänge werden soweit als eben möglich von einer Person bzw. Von einem Team durchgeführt. Projektorientiert in Gefügen zu arbeiten, ist die neue Anforderung.
  3. Eigenverantwortlichkeit
    Jeder ist für das, was er tut, selbst verantwortlich. Rückdelegationen sind zu vermeiden.
  4. Kontinuierliche Verbesserung
    Die ständige Suche nach Verbesserung ist selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitens.
  5. Mitarbeiter Qualifikation
    Mitarbeiter um ihrer selbst willen qualifizieren, um so breitere Einsatzmöglichkeiten zu erhalten und auch in Zeiten schneller Veränderungen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu fördern. Andererseits ist es Aufgabe der Mitarbeiter, sich um Qualifizierung zu kümmern, um so "beschäftigbar" zu bleiben.

Die praktische Umsetzung dieser Leitsätze wird durch eine Herangehensweise gefördert, die zielgerichtete, interaktionelle Moderation als Mittel und vorurteilsfreie Konversation als Form der Unternehmensentwicklung einsetzt. Interaktionen mit den Beteiligten, nicht Belehrungen "von oben herab" sind entscheidend für den Erfolg der Umsetzung.


Das Fraktal Prinzip


Ein neues, prozessorientiertes Organisationsprinzip ist das der selbstähnlichen Prozesse (Fraktale). Innerhalb von beispielsweise drei Hauptprozessen (Hauptfraktalen): Produktion, Entwicklung, Vermarktung werden dazu Unterprozesse (Fraktale/Elemente) definiert, die selbstähnlich und wiederum autonom sein sollen.
Jeder Hauptprozessverantwortliche muß seinen Prozess in zwei Sätzen beschreiben können. Er vereinbart Koppelstellen mit den Nachbarbereichen und strukturiert wiederum seinen Prozess. Er benennt die Teilverantwortlichen, die wiederum Koppelstellen benennen. Diese Strukturierung sollte bis zum Arbeitsteam oder zum einzelnen Mitarbeiter durchgehalten werden. Eine Arbeitsgruppe sollte nicht mehr als 15 Mitarbeiter haben bzw. ihre Arbeitsfläche sollte nicht größer als 30 mal 15 Meter sein. Die Zahl der Prozessebenen ergibt dann auch die Zahl der Führungsebenen. Die Ablaufrichtung jedes Prozesses sollte dabei grundsätzlich vom Kunden (vom internen Leistungsempfänger) ausgehen, also immer marktorientiert sein. Entscheidend ist, daß jeder nur Teil eines Fraktals sein kann. Auch Personal-, Qualitäts- und Controlling-Funktionen sind soweit als möglich in die Prozesse zu integrieren. Dies wird regelmäßig zu einer drastischen Verringerung der Abstimmungs- und Besprechungszeiten zwischen den bisherigen Funktionen führen. Darüberhinaus erhöhen kurze, schnelle Meetings (auch "im Stehen") die Produktivität zusätzlich.

Auftragsgesteuerte Erstellung mit fixem Liefertermin und flexibler Arbeitszeitwahl

Für das effiziente Funktionieren des Fraktal-Prinzips ist ein harter Rahmen erforderlich: Dies ist der fixe Liefer- oder Abgabetermin. Die einzige Variable ist also die Fertigungs-/Erbringungszeit, während der Liefertermin und die Qualität fix sind. Im Zielzustand gibt es dann auch keine Ist-Zeitvorgaben mehr. Auftrag an das Team ist nur, alle Aufträge bis zum Liefertermin abzuarbeiten.

Hier kommt also wieder das eingangserwähnte Prinzip "Führung zur Selbstverantwortung" zum Tragen: Nur wenn ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter habe, die bereit sind, sich für die Verantwortung in ihrem Arbeitsbereich zu entscheiden und gemeinsam mit den anderen abzustimmen, kann ich durch ein fraktalorientiertes Vorgehen tatsächlich Produktivitätsgewinne erzielen. Darüberhinaus muß es das Bestreben aller sein, durch beständiges Senken der fest vereinbarten Liefertermine produktiver zu werden. Eine absatzgesteuerte Produktion senkt so nicht nur die Lagerbestände drastisch, sondern deckt auch Mängel im Ablauf auf. Dadurch werden wiederum Ansatzpunkte für Gruppen der Kontinuierlichen Verbesserung (KVP) aufgedeckt, die weitere Verbesserungspotentiale ausschöpfen können. Bei auftragsgesteuerter Fertigung werden Kapazitätsschwankungen dabei nicht durch die Höhe der Lagerhaltung, sondern durch die Umschlagsgeschwindigkeit der Behälter ausgeglichen. Der interne Lieferant merkt anhand des lehren Behälters, das er liefern muß. Andererseits bietet hier das Instrument einer auftragsbezogenen Arbeitszeitwahl("atmende Fabrik") als weicher Faktor den Mitarbeitern neue persönliche Gestaltungsmöglichkeiten. Ein Maximum an Anwesenheit ist dann uninteressant. Das Maximum an Leistung ist dann erreicht, wenn alle Produkte oder Dienstleistungen, die der Kunde fordert, in festgelegter Qualität zum Termin fertig sind; ansonsten entsteht Werteverzehr. Dies bedeutet für das Team/den einzelnen, zu gewissen Zeiten mehr und zu anderen Zeiten weniger also die Durchschnittszeit zu arbeiten . Um diese Varianz auch technisch zu ermöglichen, müssen allerdings mehr Fertigungsmöglichkeiten (Maschinen, Terminals, Werkzeuge,..) als durchschnittlich gebraucht, zur Verfügung stehen, um in Zeiten großen Bedarfs ausreichend Möglichkeiten zu haben.

Erfolgsmessung

So gestaltete Arbeitsgruppen werden ganz neue Potentiale der gegenseitigen Abstimmung und Unterstützung öffnen, als bisher geahnt. Sinken die Lieferzeiten pro Auftrag, kann produktiver gearbeitet werden und es steigt dann auch die Entlohnung. Auf der anderen Seite können teure Überstunden abgebaut werden. Denkbar ist, bei Mehrarbeit über das vereinbarte Pensum hinaus nicht mit Geld, sondern mit Freizeitgratifikation zu entlohnen. Orientiere ich die Leistungserbringung nicht an den Maschinenlaufzeiten, sondern an den persönlichen Bedürfnissen der Mitarbeiter, steigt die Orientierung auf Selbstverantwortung des einzelnen und die Produktivität der Gruppe. Der Grundlohn wird anhand der formalen Qualifikation und der realen Variationen des Arbeitseinsatzes gezahlt, Prämien gibt es für Schnelligkeit und Qualität der Auftragsausführung.

Einführung der Fraktalen Organisation

Die hier dargestellte Entwicklung hat beim augenblicklichen Stand vieler Unternehmen sicherlich einen visionären Charakter, kann aber durchaus als attraktive Orientierung dienen, zumal es Beispiele der praktischen Umsetzung bereits gibt. Entscheidend wird es sein, innerhalb der Führungskräfte und Mitarbeiter die innovations- und leistungsbereiten zu lokalisieren, die sich für eine solche Vorgehensweise begeistern lassen. Es bietet sich eine Schritt-fürSchritt-Einführung dieser fraktalen Arbeitsweise an, etwa zuerst nur für ein Produkt / eine Dienstleistung. Dieser erste Einführungsbereich sollte so ausgewählt und mit Personen besetzt werden, daß er auch voraussichtlich erfolgreich ist. Ein "Wettbewerb der Systeme" kann hier Quantensprünge der Unternehmensentwicklung auslösen.

 

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